Welche Fachrichtung soll es werden – Innere Medizin, Chirurgie, Kinderheilkunde oder doch Hausarzt? Diese Frage beschäftigt viele schon, bevor sie überhaupt einen Studienplatz haben. Die gute Nachricht: Du musst Dich damit noch lange nicht festlegen. Die Facharztwahl kommt erst nach dem Studium – und bis dahin lernst Du fast jedes Fach im Detail kennen. Dieser Überblick zeigt Dir, wie die Facharztausbildung abläuft, welche großen Fachrichtungen es gibt und woran Du Deine spätere Wahl festmachen kannst.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Facharztwahl kommt erst nach der Approbation, also nach dem abgeschlossenen Medizinstudium – nicht davor.
- Die anschließende Weiterbildung dauert je nach Fach meist fünf bis sechs Jahre in Vollzeit.
- Es gibt über 30 Fachrichtungen – von Innerer Medizin über Chirurgie bis Psychiatrie.
- Inhalte und Dauer regelt die (Muster-)Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer; verbindlich sind die Ordnungen der Landesärztekammern.
- Du hast viel Zeit zur Orientierung – Famulaturen, das Praktische Jahr und der Berufsalltag helfen bei der Entscheidung.
Wann fällt die Facharztwahl überhaupt?
Ein weit verbreitetes Missverständnis: dass man sich schon zu Studienbeginn für eine Fachrichtung entscheiden müsse. Das ist nicht so. Im Medizinstudium durchläufst Du zunächst die Vorklinik mit den naturwissenschaftlichen Grundlagen und danach die Klinik, in der Du alle großen Fächer kennenlernst. Erst nach dem Staatsexamen und der Approbation – der offiziellen Erlaubnis, als Arzt zu arbeiten – beginnst Du die eigentliche Facharztausbildung, die Weiterbildung.
Das heißt: Zwischen Studienbeginn und Facharztwahl liegen die sechs Jahre Studium. In dieser Zeit sammelst Du in Famulaturen und im Praktischen Jahr (PJ) praktische Erfahrung in ganz unterschiedlichen Bereichen. Viele merken erst dann, welches Fach wirklich zu ihnen passt. Du kannst also entspannt ins Studium starten, ohne die Fachrichtung schon zu kennen.
Wie läuft die Facharztausbildung ab?
Nach der Approbation arbeitest Du als Assistenzarzt in einer Klinik oder Praxis und durchläufst ein strukturiertes Weiterbildungsprogramm. Die Inhalte, die Du dabei nachweisen musst, sind bundesweit in der (Muster-)Weiterbildungsordnung (MWBO) der Bundesärztekammer beschrieben. Verbindlich sind allerdings die Weiterbildungsordnungen der einzelnen Landesärztekammern, die sich an diesem Muster orientieren.
Am Ende der Weiterbildung steht eine Facharztprüfung vor der zuständigen Ärztekammer. Bestehst Du sie, darfst Du die Facharztbezeichnung führen – zum Beispiel „Facharzt für Innere Medizin”. Die Dauer variiert je nach Fachrichtung, liegt aber für die meisten Fächer bei fünf bis sechs Jahren in Vollzeit. Teilzeit ist möglich, verlängert die Weiterbildung entsprechend. Wichtig zu wissen: Diese Zahlen sind Mindestzeiten – in der Praxis dauert es oft etwas länger.
Die großen Fachrichtungen im Überblick
Die folgende Tabelle gibt Dir einen ersten Eindruck von einigen der größten und bekanntesten Fachrichtungen. Die angegebenen Zeiten sind die üblichen Mindest-Weiterbildungszeiten in Vollzeit und können je nach Landesärztekammer und Schwerpunkt abweichen.
| Fachrichtung | Worum es geht | Dauer (Richtwert) |
|---|---|---|
| Innere Medizin | Erkrankungen der inneren Organe, sehr breites Feld mit vielen Schwerpunkten (z. B. Kardiologie, Gastroenterologie) | ca. 5–6 Jahre |
| Allgemeinmedizin | Hausärztliche Versorgung, erste Anlaufstelle für alle Beschwerden | ca. 5 Jahre |
| Chirurgie | Operative Fächer, vom Allgemein- bis zur Unfallchirurgie | ca. 6 Jahre |
| Anästhesiologie | Narkose, Schmerztherapie und Intensivmedizin | ca. 5 Jahre |
| Kinder- und Jugendmedizin | Medizin für Kinder von der Geburt bis ins Jugendalter | ca. 5 Jahre |
| Frauenheilkunde und Geburtshilfe | Gynäkologie, Schwangerschaft und Geburt | ca. 5 Jahre |
| Radiologie | Bildgebende Diagnostik (Röntgen, CT, MRT) | ca. 5 Jahre |
| Psychiatrie und Psychotherapie | Seelische Erkrankungen und deren Behandlung | ca. 5 Jahre |
Das ist nur eine Auswahl: Insgesamt gibt es über 30 Fachrichtungen, dazu kommen zahlreiche Schwerpunkte und Zusatz-Weiterbildungen. Vom Augenarzt über die Neurologie und Dermatologie bis zur Pathologie oder Rechtsmedizin ist für nahezu jedes Interesse etwas dabei – ob Du lieber operierst, mit Menschen sprichst, tüftelst oder forschst.
Woran Du Deine Wahl festmachen kannst
Weil die Entscheidung noch weit weg ist, musst Du sie jetzt nicht treffen. Trotzdem hilft es zu wissen, welche Fragen später eine Rolle spielen:
- Patientenkontakt: Möchtest Du viel und langfristig mit Patienten arbeiten (z. B. Allgemeinmedizin) oder eher im Hintergrund (z. B. Radiologie, Labormedizin)?
- Operieren oder nicht: Zieht es Dich zu den handwerklich-operativen Fächern oder zu den konservativen?
- Arbeitsumfeld: Klinik mit Nacht- und Wochenenddiensten oder eigene Praxis mit planbareren Zeiten?
- Akutmedizin vs. Langzeitbetreuung: Reizt Dich das schnelle Handeln in der Notfall- und Intensivmedizin oder die kontinuierliche Begleitung chronisch Kranker?
- Persönliches Interesse: Welches Fach hat Dich im Studium und in den Praktika am meisten begeistert?
Auf diese Fragen musst Du heute keine Antwort haben. Sie schärfen sich ganz von selbst, während Du das Studium und die Praktika durchläufst.
Erst einmal ins Studium kommen
So spannend die Facharztwahl ist – der erste und entscheidende Schritt ist der Studienplatz. Ohne ihn gibt es keine Approbation und keine Weiterbildung. Genau hier setzt unsere Vorbereitung an: Mit einem starken Ergebnis im TMS-Live-Onlinekurs verbesserst Du Deine Chancen im Auswahlverfahren, und mit unserem Vorsemester legst Du fachlich den Grundstein für einen guten Studienstart. Weitere Orientierung rund um Studium und Bewerbung findest Du in unserem Ratgeber.
Die Facharztwahl kannst Du getrost auf später verschieben. Konzentriere Dich jetzt auf den Weg in Dein Medizinstudium – die Richtung, in die Du danach gehst, ergibt sich mit der Zeit ganz von allein.
Stand: Juli 2026. Die verbindlichen Inhalte und Zeiten der Facharztweiterbildung regeln die Landesärztekammern auf Grundlage der (Muster-)Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer. Angaben zur Dauer sind Mindest-Richtwerte und können je nach Fachrichtung und Kammer abweichen.