Du hast im regulären Verfahren keinen Medizin-Studienplatz bekommen und alle Nachrückrunden sind durch? Dann gibt es an einzelnen Hochschulen noch eine letzte Möglichkeit: das Losverfahren. Dabei werden Studienplätze, die nach Abschluss des koordinierten Verfahrens übrig geblieben sind, per Zufall vergeben – ganz ohne NC. Klingt verlockend, ist aber an klare Regeln und knappe Fristen gebunden. Dieser Ratgeber erklärt Dir neutral, wie das Losverfahren funktioniert, wann Du Dich bewerben musst und wie realistisch Deine Chancen wirklich sind.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Losverfahren vergibt Restplätze, die nach dem letzten Nachrückverfahren an einer Uni frei geblieben sind – es findet nur statt, wenn überhaupt Plätze übrig sind.
- Die Vergabe erfolgt per Los, unabhängig von Note, TMS oder Wartezeit. Voraussetzung ist allein eine Hochschulzugangsberechtigung.
- Du bewirbst Dich direkt bei den einzelnen Hochschulen, nicht über hochschulstart.de – und für jede Uni separat.
- Das Bewerbungsfenster ist eng: fürs Wintersemester meist September bis Mitte Oktober, fürs Sommersemester etwa Ende März bis Mitte Mai.
- Die Chancen sind gering. Sieh das Losverfahren als Zusatzoption, nicht als verlässlichen Plan.
Was ist das Losverfahren?
Wenn eine Hochschule nach allen regulären Auswahl- und Nachrückrunden noch freie Studienplätze hat – etwa weil zugelassene Bewerber ihren Platz nicht angetreten haben – kann sie diese Restplätze verlosen. Das Verfahren ist gesetzlich vorgesehen, aber freiwillig: Jede Uni entscheidet selbst, ob und wie sie ein Losverfahren durchführt. Gibt es keine freien Plätze, gibt es auch kein Losverfahren.
Der große Unterschied zum regulären Verfahren: Hier zählt nicht Deine Leistung, sondern das Glück. Abiturnote, TMS-Ergebnis, Wartezeit oder Berufsausbildung spielen keine Rolle. Alle Bewerber haben rein rechnerisch dieselbe Chance, gezogen zu werden. Deshalb ist das Losverfahren gerade für Bewerber mit schwächerem NC interessant – aber eben auch für Tausende andere, die dieselbe Idee haben.
Wer darf teilnehmen?
Die Hürden sind niedrig. In der Regel brauchst Du nur eine gültige Hochschulzugangsberechtigung (Abitur oder gleichwertig). Ein bestimmter Notendurchschnitt, Wartesemester oder ein absolvierter Medizinertest werden nicht verlangt. Es ist auch unerheblich, ob Du Dich zuvor im regulären Verfahren über hochschulstart.de beworben hast.
Eine wichtige Bedingung gibt es allerdings: Du darfst Deinen Prüfungsanspruch im Studienfach Medizin nicht verloren haben – etwa durch endgültig nicht bestandene Prüfungen an einer anderen Uni. Mit der Anmeldung bestätigst Du üblicherweise, dass diese Voraussetzung erfüllt ist.
Wie und wann bewirbst Du Dich?
Der entscheidende Punkt: Die Bewerbung über hochschulstart.de und die Anmeldung zum Losverfahren sind zwei völlig getrennte Vorgänge. Wer im regulären Verfahren dabei war, nimmt nicht automatisch am Losverfahren teil. Du musst Dich aktiv und direkt bei jeder Hochschule anmelden, an der Du teilnehmen möchtest.
So gehst Du vor:
- Hochschulen recherchieren: Prüfe auf den Webseiten der medizinischen Fakultäten, ob und wann ein Losverfahren stattfindet. Nicht jede Uni verlost Plätze, und die Bedingungen unterscheiden sich.
- Fristen im Blick behalten: Das Losverfahren startet erst, wenn das koordinierte Nachrückverfahren abgeschlossen ist – im Regelfall Ende August fürs Wintersemester und Ende März fürs Sommersemester. Die Bewerbungsfenster sind kurz: fürs Wintersemester meist September bis Mitte Oktober, fürs Sommersemester etwa Ende März bis Mitte Mai.
- Antrag stellen: Die meisten Hochschulen nutzen heute ein Online-Formular. Nur noch vereinzelt wird ein postalischer Antrag verlangt. Halte Dich exakt an die Vorgaben der jeweiligen Uni.
- Mehrfach bewerben: Da jede Uni ein eigenes Verfahren hat, kannst Du Dich parallel bei mehreren Hochschulen ins Rennen schicken. Das erhöht die Zahl Deiner Lose.
- Unterlagen bereithalten: Meist genügt für die Anmeldung Deine Hochschulzugangsberechtigung. Manche Unis fordern zusätzliche Angaben oder Nachweise – lies die Ausschreibung genau, damit Dein Antrag nicht an einer Formalität scheitert.
Weil Du Dich für jede Hochschule einzeln und innerhalb eines engen Zeitfensters bewerben musst, wird aus dem Losverfahren schnell ein Fristen- und Formular-Marathon – gerade wenn Du Deine Chancen erhöhen und Dich an mehreren Unis gleichzeitig anmelden willst. Genau hier setzt Sonderplatz an: Der Dienst behält für Dich den Überblick über die Losverfahren an zahlreichen deutschen Hochschulen, erinnert Dich rechtzeitig an die jeweiligen Bewerbungsfenster und übernimmt die separate Anmeldung an jeder einzelnen Uni für Dich. So verpasst Du keine Frist aus Unachtsamkeit und kannst Dich auf Deine eigentliche Bewerbung konzentrieren, statt Dutzende Hochschul-Portale parallel im Blick zu behalten. Mehr dazu unter www.sonderplatz.de.
Rechne damit, dass Du keinen Ablehnungsbescheid bekommst: Wer ausgelost wird, hört von der Hochschule, alle anderen gehen leer aus, ohne separate Nachricht. Erhältst Du eine Zusage, hast Du in der Regel nur wenige Tage Zeit, um Deinen Platz anzunehmen und Dich einzuschreiben. Prüfe in dieser Phase Dein E-Mail-Postfach und die Portale der Hochschulen also besonders aufmerksam.
Wie realistisch sind die Chancen?
Ehrlich gesagt: gering. Gerade in der stark nachgefragten Humanmedizin bleiben nach den Nachrückrunden oft nur wenige oder gar keine Plätze übrig, während sich sehr viele Bewerber auf diese Restplätze melden. Das Verhältnis von Losen zu Plätzen ist damit meist ungünstig.
Das heißt nicht, dass es sich nicht lohnt – die Bewerbung ist schnell erledigt und kostet Dich wenig. Weil eine belastbare Erfolgsquote fehlt und die Zahl der Restplätze von Semester zu Semester schwankt, lässt sich Deine konkrete Chance vorab nicht seriös beziffern. Aber Du solltest das Losverfahren als zusätzliche Chance verstehen, nicht als tragende Säule Deiner Studienplanung. Wer sich allein darauf verlässt, riskiert ein verlorenes Jahr. Klüger ist es, das Losverfahren mit anderen Wegen zu kombinieren: einem guten Ergebnis im Medizinertest, einer breiten Bewerbung an mehreren Standorten oder einer soliden fachlichen Vorbereitung mit einem klaren Lernplan, die Dir auch beim nächsten regulären Anlauf hilft.
Losverfahren richtig einordnen
Das Losverfahren ist die letzte Station im Vergabeprozess – und für manche tatsächlich der glückliche Einstieg ins Medizinstudium. Verlassen solltest Du Dich darauf aber nicht. Der planbarere Hebel für Deinen Studienplatz bleibt Dein Testergebnis: Ein starker TMS oder MedAT verbessert Deine Ausgangslage im regulären Verfahren deutlich, während das Los reine Glückssache ist.
Wenn Du Deine Optionen strukturiert durchgehen möchtest – von der Testvorbereitung über die Bewerbungsstrategie bis zu Alternativen – findest Du in unserem Ratgeber weitere fundierte Beiträge, die Dir bei der Entscheidung helfen.
Stand: Juli 2026. Ob, wann und unter welchen Bedingungen eine Hochschule ein Losverfahren durchführt, entscheidet die jeweilige Uni – prüfe die Angaben immer direkt auf deren Webseite. Allgemeine Informationen zum Vergabeverfahren findest Du beim offiziellen Portal hochschulstart.de. Fristen und Details können sich je nach Semester ändern; wir aktualisieren diesen Artikel entsprechend.