Ein Einser-Abitur ist längst nicht der einzige Weg ins Medizinstudium. Seit der Vergabereform gibt es eine Quote, die bewusst ohne die Abiturnote auskommt: die Zusätzliche Eignungsquote (ZEQ). Sie vergibt einen festen Anteil der Studienplätze allein nach Eignung – und ist damit die große Chance für alle, die zwar nicht zu den Abiturbesten zählen, aber genau wissen, warum sie Medizin studieren wollen. In diesem Ratgeber erfährst Du, wie die ZEQ funktioniert, welche Kriterien Punkte bringen und wie Du sie gezielt für Dich nutzt. Die ZEQ ist dabei nur einer von mehreren Wegen abseits der Bestnote – einen vollständigen Überblick gibt unser Ratgeber Medizin studieren ohne NC.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die ZEQ vergibt 10 % aller Medizin-Studienplätze – komplett unabhängig von Deiner Abiturnote.
  • Sie ersetzt seit 2020 die frühere Wartezeitquote: Sitzen und Warten bringt keine Punkte mehr, stattdessen zählt nachgewiesene Eignung.
  • Punkte bringen vor allem ein Studieneignungstest wie der TMS, dazu Berufsausbildung, Freiwilligendienste und besondere Leistungen.
  • Jede Hochschule legt selbst fest, welche Kriterien sie wie stark gewichtet – der Test ist an vielen Standorten das entscheidende Element.

Was ist die ZEQ – und warum gibt es sie?

Die Studienplätze in der Humanmedizin werden über drei Quoten vergeben: die Abiturbestenquote (30 %), das Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH, 60 %) und eben die Zusätzliche Eignungsquote (10 %). In der Abiturbestenquote und großen Teilen des AdH spielt die Note eine tragende Rolle. Die ZEQ ist die einzige Quote, in der Deine Durchschnittsnote der Hochschulzugangsberechtigung ausdrücklich keine Rolle spielt.

Eingeführt wurde sie 2020 als Ersatz für die alte Wartezeitquote. Der Gedanke dahinter: Nicht die Zahl der abgesessenen Semester soll über einen Studienplatz entscheiden, sondern die tatsächliche Eignung für das Fach. Genau deshalb ist die ZEQ so wertvoll für alle, deren Abitur solide, aber nicht spitze ausgefallen ist.

Welche Kriterien bringen Punkte?

In der ZEQ kannst Du an den meisten Hochschulen bis zu 100 Punkte sammeln. Die Kriterien, aus denen sich diese Punkte zusammensetzen, stammen aus einem festen Katalog. Dazu gehören:

  • Fachspezifische Studieneignungstests wie der TMS (Test für medizinische Studiengänge), der HAM-Nat oder – für Pharmazie – der PhaST.
  • Ergebnisse aus Auswahlgesprächen oder studienfeldbezogenen Auswahltests der Hochschule.
  • Eine abgeschlossene Berufsausbildung oder einschlägige Berufstätigkeit, etwa im Gesundheitsbereich.
  • Besondere Vorbildungen, praktische Tätigkeiten, ehrenamtliches Engagement oder außerschulische Qualifikationen – hierunter fallen häufig auch Freiwilligendienste wie ein FSJ oder der Bundesfreiwilligendienst.

Wichtig zu verstehen: Nicht jede Hochschule nutzt jedes Kriterium, und die Gewichtung unterscheidet sich stark. Welche Kriterien in welchem Umfang zählen, legen die Hochschulen selbst fest.

Warum der Studieneignungstest so oft ausschlaggebend ist

Wenn Du nur eine Sache aus diesem Ratgeber mitnimmst, dann diese: An sehr vielen Universitäten ist ein Studieneignungstest wie der TMS das mit Abstand stärkste Einzelkriterium in der ZEQ. Nicht selten ist ein starkes Testergebnis für sich genommen ausschlaggebend für einen Platz in dieser Quote – gerade dort, wo der Test den Großteil der erreichbaren Punkte ausmacht.

Der Grund liegt auf der Hand: Ein FSJ oder eine Ausbildung bringt zwar Punkte, ist aber in der Höhe begrenzt und für viele Bewerber ähnlich. Der Test dagegen ist das Kriterium, mit dem Du Dich am deutlichsten nach oben absetzen kannst – und er ist das einzige, das Du durch gezielte Vorbereitung direkt in der Hand hast. Genau deshalb ist er der wirksamste Hebel, um Deine Chancen in der ZEQ zu verbessern.

Konkret zeigt sich das im Vergabemodus: Die ZEQ basiert auf einem Punktsystem mit maximal 100 Punkten, dessen genaue Ausgestaltung den Hochschulen überlassen ist – mit der einen festen Regel, dass die Abiturnote hier keine Rolle spielen darf. Ob nur ein Kriterium oder mehrere bewertet werden, ist ebenfalls den Hochschulen freigestellt. Der TMS spielt dabei an allen Universitäten außer Heidelberg eine entscheidende Rolle, oft ist er sogar allein ausschlaggebend: Etwa in Köln, Bonn, Bochum, Düsseldorf und Rostock gehen die 10 Prozent der ZEQ-Plätze schlicht an die Bewerber mit dem besten TMS-Ergebnis. Wie stark ein gutes TMS-Ergebnis Deine gesamte Bewerbung verbessert, zeigen wir ausführlich in unserem Artikel Wie viel bringt der TMS für Deine Bewerbung?.

So gehst Du strategisch vor

Damit die ZEQ für Dich arbeitet, lohnt sich ein klarer Plan:

SchrittWas Du tun solltest
1. Standorte prüfenSieh nach, welche Kriterien Deine Wunsch-Universitäten in der ZEQ gewichten.
2. Test einplanenMelde Dich rechtzeitig zum TMS an – er ist an vielen Standorten der größte Hebel.
3. Nachweise sammelnDokumentiere Ausbildung, Freiwilligendienst und Engagement sauber.
4. Fristen einhaltenAchte darauf, dass alle Nachweise fristgerecht bei hochschulstart.de vorliegen.

Der entscheidende Punkt: Während Note und bereits abgeschlossene Ausbildungen feststehen, ist das Testergebnis der eine Faktor, den Du aktiv beeinflussen kannst. Wer den TMS ernst nimmt und strukturiert übt, verschafft sich in der ZEQ den größten Vorsprung. Wie ein cleverer Lernplan für den TMS aussieht, erklären wir in TMS-Vorbereitung: der optimale Lernplan.

Für wen die ZEQ besonders lohnt

Die ZEQ ist die Quote für alle, deren Weg nicht über das Spitzenabitur führt. Wenn Deine Durchschnittsnote für die Abiturbestenquote nicht reicht, ist die ZEQ oft die realistischste Tür ins Medizinstudium – vorausgesetzt, Du bringst nachweisbare Eignung mit. Und die wichtigste Form dieser Eignung, das Testergebnis, kannst Du Dir gezielt erarbeiten.

Wie der TMS genau aufgebaut ist und wie Du Dich am besten darauf vorbereitest, erfährst Du auf unserer TMS-Übersichtsseite. Wenn Du direkt loslegen möchtest, kannst Du Dir dort auch Deinen Kursplatz sichern. Weitere Beiträge rund um Zulassung und Vorbereitung findest Du in unserem Ratgeber.


Stand: Juli 2026. Die verbindlichen Regelungen zu den Quoten und Kriterien veröffentlicht das offizielle Portal hochschulstart.de. Die konkrete Ausgestaltung der ZEQ unterscheidet sich je nach Hochschule und Bewerbungsjahr – prüfe die Angaben Deiner Wunsch-Universitäten daher immer aktuell.