Du hast bereits ein Studium abgeschlossen oder stehst kurz davor – und möchtest jetzt doch noch Medizin studieren? Ein Zweitstudium ist grundsätzlich möglich, folgt aber ganz eigenen Regeln. In Deutschland läuft die Bewerbung nicht über die üblichen Quoten, sondern über eine kleine, stark umkämpfte Zweitstudienquote. Dieser Ratgeber erklärt, wie das Verfahren funktioniert, wovon Deine Chancen abhängen und warum für viele Zweitstudierende der Blick nach Österreich der realistischere Weg ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Für ein Zweitstudium Medizin in Deutschland gibt es eine eigene, kleine Quote – nur rund 3 Prozent der Studienplätze sind dafür reserviert.
- Ausgewählt wird über eine Messzahl, die sich aus der Note Deines Erststudiums und einer anerkannten Begründung zusammensetzt.
- Test-Ergebnisse wie TMS oder MedAT spielen in der Zweitstudienquote keine Rolle – hier zählen Note und Begründung.
- In Österreich gibt es keine Sonderregel für Zweitstudierende: Der MedAT bewertet alle gleich, weshalb dieser Weg für viele mit abgeschlossenem Studium attraktiv ist.
Wer gilt als Zweitstudienbewerber?
Als Zweitstudium zählt eine Bewerbung, wenn Du bereits ein grundständiges Hochschulstudium in Deutschland abgeschlossen hast – also etwa einen Bachelor, ein Diplom, ein Staatsexamen oder einen Magister erworben hast – und nun ein weiteres Studium beginnen möchtest. Wer das erste Studium abgebrochen oder noch nicht beendet hat, bewirbt sich weiterhin ganz normal über die regulären Wege. Für ein echtes Zweitstudium führt der Weg dagegen über die dafür vorgesehene Quote.
Wichtig: Die Zweitstudienquote ist bewusst schmal gehalten. Weil nur ein kleiner Teil aller Medizinstudienplätze über sie vergeben wird, ist die Konkurrenz groß. Das solltest Du von Anfang an realistisch einordnen. Auch ein sehr gutes erstes Examen garantiert keinen Platz – es verbessert nur Deine Position innerhalb einer ohnehin kleinen Gruppe von Bewerbenden.
Wie die Auswahl über die Messzahl funktioniert
Anders als in der Abiturbesten- oder der Eignungsquote spielt in der Zweitstudienquote weder Deine Abiturnote noch ein Testergebnis die entscheidende Rolle. Ausgewählt wird über eine Messzahl, die aus zwei Bausteinen entsteht:
- Die Abschlussnote Deines ersten Studiums. Je besser das erste Examen, desto mehr Punkte fließen in die Messzahl ein.
- Der Grund für Dein Zweitstudium. Die Vergabestelle prüft, wie überzeugend Deine Begründung ist, und ordnet sie einer Kategorie mit einer bestimmten Punktzahl zu.
Beide Werte werden zu einer Messzahl zusammengefasst. Wer eine höhere Messzahl erreicht, steht weiter oben auf der Rangliste – und hat entsprechend bessere Chancen auf einen Platz.
Bei der Begründung werden typischerweise mehrere Fallgruppen anerkannt, zum Beispiel zwingende berufliche Gründe (ein Berufsziel setzt zwei abgeschlossene Studien voraus), wissenschaftliche Gründe (das Zweitstudium dient einer weiteren wissenschaftlichen Qualifikation) oder der Fall, dass das zweite Studium das erste sinnvoll ergänzt. Ein einfaches “Ich interessiere mich jetzt für Medizin” reicht dagegen in der Regel nicht aus, um viele Punkte zu erhalten.
Bewerbung und Fristen
Die Bewerbung für ein Zweitstudium läuft über die zentrale Vergabestelle. In der Praxis bedeutet das: Du reichst einen Antrag, den Nachweis über Dein erstes Studium samt Abschlussnote und Deine Begründung ein. Für das Wintersemester gilt üblicherweise eine Frist um den 15. Juli. Weil die Anforderungen und Belege stimmen müssen, lohnt es sich, die offiziellen Vorgaben früh zu prüfen und die Unterlagen sorgfältig vorzubereiten.
Da sich Details je nach Bewerbungsjahr ändern können, solltest Du die genauen Bedingungen immer direkt bei der offiziellen Stelle nachlesen und Dich nicht allein auf Erfahrungswerte verlassen.
Warum Österreich für Zweitstudierende interessant ist
Genau hier liegt der große Unterschied: In Österreich gibt es keine Zweitstudienquote und keine Sonderregel für Menschen mit abgeschlossenem Studium. Alle Bewerbenden treten zum MedAT an – dem Aufnahmetest für Human- und Zahnmedizin – und werden ausschließlich nach ihrem Testergebnis gereiht. Ob Du direkt vom Abitur kommst oder bereits einen Bachelor in der Tasche hast, spielt für die Platzvergabe keine Rolle.
Für Zweitstudierende hat das einen entscheidenden Vorteil: Deine Chance hängt nicht von einer schmalen Quote oder der Note Deines Erststudiums ab, sondern von Deiner Leistung am Testtag. Wer bereit ist, sich gezielt auf den MedAT vorzubereiten, kann diesen Weg unabhängig vom bisherigen Werdegang gehen. Auch die Bewerbung selbst läuft für alle gleich ab: Du meldest Dich an, absolvierst den Test und wirst nach Punkten gereiht. Wie der Test aufgebaut ist und was Dich erwartet, erfährst Du auf unserer MedAT-Übersichtsseite.
Ein weiterer Punkt: Ein abgeschlossenes Studium kann in der Vorbereitung sogar helfen. Wer bereits wissenschaftlich gearbeitet hat, tut sich mit den naturwissenschaftlichen und den kognitiven Teilen des MedAT oft leichter – auch wenn der Test am Ende für alle die gleichen Hürden bereithält.
So gehst Du das Zweitstudium strategisch an
Wenn Du Medizin als Zweitstudium anstrebst, lohnt sich ein doppelter Blick. Prüfe zunächst ehrlich, wie stark Deine Messzahl in Deutschland ausfallen würde: Wie gut ist die Note Deines Erststudiums, und wie überzeugend lässt sich Dein Wechsel begründen? Fällt diese Einschätzung eher zurückhaltend aus, ist der Weg über den MedAT in Österreich häufig die realistischere Option – weil er unabhängig von Quote und Erstexamen funktioniert.
Für den MedAT zählt vor allem eine strukturierte Vorbereitung. In unserem MedAT-Vorbereitungskurs trainierst Du die einzelnen Testteile mit echten Aufgaben und einem klaren Lernplan. Und falls Du zusätzlich in Deutschland über den TMS ansetzen möchtest, findest Du die passenden Infos in unserem TMS-Kurs. Weitere Beiträge rund um Zulassung und Vorbereitung sammeln wir in unserem Ratgeber.
Stand: Juli 2026. Die verbindlichen Regeln zur Zweitstudienquote und zur Messzahl veröffentlicht die zentrale Vergabestelle auf hochschulstart.de. Einzelne Fristen und Punktwerte können sich je Bewerbungsjahr ändern – prüfe die offiziellen Angaben vor Deiner Bewerbung.
Ob über die deutsche Zweitstudienquote oder den MedAT in Österreich: Entscheidend ist, dass Du den Weg wählst, der zu Deiner Ausgangslage passt – und ihn früh genug planst.