Der Weg ins Medizinstudium führt nicht nur über Deutschland. Immer mehr Abiturienten schauen auch nach Österreich – dort gelten völlig andere Regeln. In Deutschland entscheiden Abiturnote und Testergebnis, in Österreich zählt allein ein Aufnahmetest. Beide Wege führen zum selben Ziel: einem anerkannten Medizinstudium. Aber sie funktionieren grundverschieden. Dieser Artikel stellt Dir beide Systeme gegenüber, damit Du einschätzen kannst, welcher Weg – oder welche Kombination – zu Dir passt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Deutschland: Zulassung über den NC und ein zentrales Vergabeverfahren (hochschulstart.de). Du bewirbst Dich an mehreren Universitäten gleichzeitig, Deine Abiturnote zählt stark – der TMS (ab 2027 der TMSnat) wertet sie in zwei von drei Quoten auf.
  • Österreich: Kein NC. Über die Zulassung entscheidet allein der MedAT. Die Abiturnote spielt keine Rolle. Du bewirbst Dich pro Jahr nur an einem einzigen Standort.
  • Österreich vergibt seine Humanmedizin-Plätze über ein Quotensystem 75-20-5; deutsche Bewerber mit deutschem Abitur fallen in das EU-Kontingent (20 %), nicht in die 75-%-Quote.
  • Ein in Österreich abgeschlossenes Studium ist EU-weit anerkannt – auch die spätere Approbation in Deutschland ist möglich.
  • Du musst Dich nicht festlegen: Viele halten sich beide Wege offen und schreiben TMS und MedAT.

Zulassung: NC und TMS gegen MedAT ohne NC

Der zentrale Unterschied liegt darin, was über Deinen Studienplatz entscheidet.

In Deutschland ist die Zulassung ein Zusammenspiel aus Note und Test. Die Studienplätze in Human-, Zahn- und Tiermedizin werden über drei Quoten vergeben: die Abiturbestenquote (rund 30 %, hier zählt nur die Note), das Auswahlverfahren der Hochschulen / AdH (rund 60 %, Note plus TMS und weitere Kriterien) und die Zusätzliche Eignungsquote / ZEQ (rund 10 %, notenunabhängig, vor allem der TMS). Der berüchtigte “NC” ist dabei keine feste Hürde, sondern das Ergebnis von Angebot und Nachfrage – in der Abiturbestenquote kommen regelmäßig nur Noten um 1,0 bis 1,1 zum Zug. Wer keine glatte Eins hat, entscheidet sein Verfahren deshalb über AdH und ZEQ – und genau dort ist der TMS der entscheidende Hebel.

In Österreich gibt es diese Quotenlogik nicht. Es existiert kein NC, und Deine Abiturnote fließt an keiner Stelle in die Auswahl ein. Stattdessen zählt ein einziger Wert: Dein Gesamtergebnis im MedAT (Medizin-Aufnahmetest). Wer im Test überzeugt, bekommt einen Platz – unabhängig davon, ob das Abitur glatt oder mit Mühe geschafft wurde. Für viele deutsche Bewerber ist das die faire, planbare Chance, die sie in Deutschland vermissen: Es gibt nur den einen Testtag, und der lässt sich gezielt vorbereiten. Wie Du das strukturiert angehst, zeigen wir Dir in unserem MedAT-Kurs.

Bewerbung und Standorte: mehrere Unis gegen eine Wahl

Auch beim Bewerbungsablauf gehen die beiden Länder getrennte Wege.

Deutschland setzt auf ein zentrales, koordiniertes Verfahren über hochschulstart.de. Du gibst eine Bewerbung ab und kannst darin mehrere Ortswünsche angeben – Du konkurrierst also parallel an mehreren Universitäten und wirst automatisch in allen Quoten berücksichtigt, für die Du die Voraussetzungen erfüllst. Weil jede Uni ihre eigenen Auswahlkriterien und ihre eigene TMS-Gewichtung hat, lohnt es sich, die Wunschstandorte gezielt zu vergleichen.

Österreich funktioniert genau umgekehrt: Du kannst Dich pro Bewerbungsjahr an nur einem einzigen Standort anmelden. Es gibt vier Optionen – die Medizinischen Universitäten Wien, Graz und Innsbruck sowie die JKU Linz. Ranglisten über mehrere Unis hinweg gibt es nicht. Diese Festlegung macht die Standortwahl zu einer strategischen Entscheidung: Weil Plätze und Bewerberzahlen von Ort zu Ort schwanken, unterscheidet sich der faktische Wettbewerbsdruck. Wien hat die meisten Plätze, zieht aber auch die meisten Bewerber an; die kleineren Standorte können je nach Jahr günstigere Verhältnisse aufweisen. Wichtig zu wissen: Meldest Du Dich versehentlich an mehreren Standorten an, riskierst Du den Ausschluss.

Studium, Kosten und Anerkennung

Bei der Frage, was nach der Zulassung kommt, sind sich beide Länder ähnlicher, als viele denken.

Das Studium ist inhaltlich vergleichbar und dauert in beiden Ländern rund sechs Jahre. In Deutschland und an den drei klassischen österreichischen Med-Unis handelt es sich um ein Diplom- bzw. Staatsexamensstudium; die JKU Linz ist als Bachelor-Master-System organisiert. Für die spätere ärztliche Tätigkeit macht das keinen entscheidenden Unterschied.

Beim Anerkennung kannst Du beruhigt sein: Ein in Österreich abgeschlossenes Medizinstudium ist EU-weit anerkannt. Du kannst damit auch in Deutschland die Approbation beantragen und hier arbeiten – Österreich ist kein Umweg, sondern ein gleichwertiger Weg zum selben Berufsziel.

Bei den Kosten gilt: An den öffentlichen Universitäten fallen in beiden Ländern für EU-Bürger keine hohen Studiengebühren an; es bleiben überschaubare Beiträge sowie Deine Lebenshaltungskosten am Studienort. Wer nach Österreich geht, sollte Miete und Lebenshaltung in Wien, Graz, Innsbruck oder Linz in die Planung einbeziehen.

Für wen sich welcher Weg eignet

Es gibt nicht den einen richtigen Weg – es gibt den, der zu Deiner Ausgangslage passt.

Deutschland ist stark, wenn Deine Abiturnote gut bis sehr gut ist oder wenn Du an einem konkreten Standort in Deiner Nähe studieren möchtest. Über AdH und ZEQ kannst Du zudem auch mit einer Note jenseits der Eins punkten, sofern Du im TMS überzeugst. Und Du bewirbst Dich an mehreren Unis parallel – das verteilt Deine Chancen.

Österreich ist stark, wenn Deine Abiturnote für die deutschen Spitzenquoten nicht reicht, Du aber testsicher bist oder es werden willst. Weil hier ausschließlich der MedAT zählt, sind Wartesemester, eine bereits begonnene Ausbildung oder eine mittelmäßige Note schlicht irrelevant. Besonders attraktiv ist dieser Weg deshalb für ein Zweitstudium, das in Deutschland nur schwer zu erreichen ist.

Und das Beste: Du musst Dich nicht entscheiden. Beide Verfahren laufen unabhängig voneinander. Wer beide Tests schreibt, verdoppelt gewissermaßen seine Wege ins Studium.

Deutschland und Österreich im Überblick

KriteriumDeutschlandÖsterreich
ZulassungNC + drei Quoten (Note, TMS, ZEQ)allein der MedAT, kein NC
Abiturnotezählt starkzählt nicht
AufnahmetestTMS / ab 2027 TMSnatMedAT
Bewerbungzentral, mehrere Unis parallelnur ein Standort pro Jahr
Standortezahlreiche UniversitätenWien, Graz, Innsbruck, Linz
PlatzvergabeQuoten je UniQuotensystem 75-20-5 (Humanmedizin)
AnerkennungEU-weit, Approbation in DE möglich

Dein nächster Schritt

Ob Deutschland, Österreich oder beides: Entscheidend ist am Ende ein starkes Testergebnis – und das ist in beiden Systemen trainierbar. Willst Du den deutschen Weg gehen, bereitest Du Dich mit unserem TMS-Kurs vor. Setzt Du auf Österreich, ist der MedAT-Kurs Deine Grundlage. Und wenn Du Dir beide Wege offenhalten möchtest, kombinierst Du beide Tests. Wenn Du direkt für den MedAT loslegen willst, sicherst Du Dir hier Deinen Kursplatz. Weitere Grundlagen rund um Zulassung und Vorbereitung findest Du in unserem Ratgeber.


Stand: Juli 2026. Die verbindlichen Angaben zur deutschen Studienplatzvergabe veröffentlicht hochschulstart.de, die zum österreichischen Verfahren medizinstudieren.at. Einzelne Regeln und Zahlen können sich je Bewerbungsjahr ändern – wir aktualisieren diesen Artikel entsprechend.