Der Studienplatz ist da – nur eben in der falschen Stadt. Für viele Medizinstudierende ist das eine ganz reale Situation: Die Zulassung kommt für Greifswald, das Leben findet aber in Köln statt. Ein Studienplatztausch kann dann die Lösung sein. Er ist allerdings kein Automatismus und auch kein Hintertürchen ins Studium, sondern ein formales Verfahren mit klaren Voraussetzungen. Dieser Ratgeber erklärt, wann ein Tausch möglich ist, wie er abläuft, welche Fristen gelten – und wo die Grenzen liegen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Tausch ist nur zwischen zwei bereits immatrikulierten Studierenden möglich – er verschafft niemandem einen neuen Studienplatz.
  • Voraussetzung sind in der Regel derselbe Studiengang und dasselbe Fachsemester; in Medizin und Zahnmedizin zusätzlich ein vergleichbarer Studienstand.
  • Beide Hochschulen müssen zustimmen. Einen Rechtsanspruch auf den Tausch gibt es nicht.
  • Die Fristen setzt jede Uni selbst – sie liegen meist einige Wochen bis Monate vor Semesterbeginn und unterscheiden sich deutlich.
  • Geld darf keine Rolle spielen. Wer einen Studienplatz kauft oder verkauft, riskiert die Exmatrikulation.

Was ein Studienplatztausch ist – und was nicht

Beim Studienplatztausch wechseln zwei Studierende die Hochschule, indem sie ihre Studienplätze miteinander tauschen. Person A gibt ihren Platz in Hamburg auf und übernimmt den Platz von Person B in München, Person B geht den umgekehrten Weg. Formal handelt es sich um zwei aufeinander abgestimmte Hochschulwechsel, die nur gemeinsam funktionieren.

Wichtig ist die Abgrenzung: Ein Studienplatztausch ist kein Weg in das Medizinstudium hinein. Beide Beteiligten müssen bereits einen Vollstudienplatz besitzen und immatrikuliert sein. Die Charité Berlin formuliert das als Bedingung so: Alle am Tausch beteiligten Personen müssen eine Zulassung für einen Vollstudienplatz an einer deutschen Universität besitzen. Wer noch keinen Platz hat, findet die tatsächlichen Einstiegswege in unserem Überblick zu den Wegen ins Medizinstudium ohne NC.

Ebenso wenig ist der Tausch ein Weg, den Studiengang zu wechseln. Wer Zahnmedizin studiert, kann seinen Platz nicht gegen einen Humanmedizin-Platz tauschen – die Fächer müssen übereinstimmen.

Die Voraussetzungen im Einzelnen

Die Details regelt jede Hochschule in ihrer eigenen Ordnung, aber vier Bedingungen tauchen praktisch überall auf:

1. Beide sind immatrikuliert. Der Tausch findet zwischen zwei eingeschriebenen Studierenden deutscher Hochschulen statt. Eine Zulassung, die noch nicht angenommen wurde, reicht meist nicht.

2. Gleicher Studiengang. Human- gegen Humanmedizin, Zahn- gegen Zahnmedizin, Tier- gegen Tiermedizin. Auch die Abschlussart muss passen (Staatsexamen gegen Staatsexamen).

3. Gleiches Fachsemester. Die meisten Hochschulen verlangen, dass beide im selben Fachsemester stehen. Hintergrund ist, dass der Tausch die Kapazitätsplanung nicht durcheinanderbringen soll: Ein freiwerdender Platz im dritten Semester muss durch einen gleichwertigen Platz ersetzt werden.

4. Vergleichbarer Studienstand. In Human-, Zahn- und Tiermedizin kommt eine fachliche Prüfung hinzu. Weil sich Curricula, Modellstudiengänge und Prüfungsordnungen zwischen den Fakultäten teils erheblich unterscheiden, prüft das Studiendekanat, ob Ihr an der neuen Uni tatsächlich nahtlos weiterstudieren könnt. Fehlen Leistungsnachweise, kann das den Tausch verhindern oder dazu führen, dass Ihr Kurse nachholen müsst.

Eine weitere Einschränkung betrifft das erste Fachsemester: In stark nachgefragten Studiengängen schließen viele Hochschulen den Tausch direkt nach der Erstzulassung aus oder knüpfen ihn an besondere Bedingungen. Das soll verhindern, dass frisch vergebene Studienplätze über Umwege weitergereicht werden.

So läuft der Tausch ab

Der Ablauf ist an den meisten Hochschulen ähnlich – und er beginnt mit dem Teil, der am meisten Zeit kostet.

Schritt 1: Tauschpartner finden

Diesen Schritt müsst Ihr selbst erledigen. Die Hochschulen vermitteln keine Tauschpartner und führen auch keine Listen; die LMU München weist ausdrücklich darauf hin, dass sie bei der Partnersuche nicht unterstützt. Ihr müsst also jemanden finden, der genau spiegelbildlich tauschen will: an Eurer Uni einen Platz hat und an Eure Wunsch-Uni möchte.

Genau das ist der Engpass. Je nach Wunschkombination kann die Suche Wochen oder mehrere Semester dauern – manche Strecken sind stark nachgefragt, andere praktisch tot. Realistisch ist es deshalb, früh anzufangen und mehrere Kanäle parallel zu nutzen:

  • Fachschaften und Aushänge an beiden Universitäten,
  • Studierendengruppen in sozialen Netzwerken, oft nach Standort oder Semester sortiert,
  • eine spezialisierte Tauschbörse, in der Gesuche gebündelt zusammenlaufen.

Am schnellsten kommt Ihr in der Regel über eine Tauschbörse weiter, denn dort sucht bereits genau die Zielgruppe, auf die es ankommt. Für die medizinischen Studiengänge ist studienplatztausch-medizin.de die derzeit beste Anlaufstelle – und zwar für Human-, Zahn- und Tiermedizin gleichermaßen. Das Portal ist kostenlos und werbefrei, Ihr könnt Euer Tauschgesuch in wenigen Minuten eintragen, und weil dort ausschließlich Studierende dieser Fächer unterwegs sind, passen die Gesuche fachlich von vornherein zusammen. Ein Blick lohnt sich schon vor der eigenen Eintragung – im Live-Bereich seht Ihr, welche Strecken gerade gesucht werden.

Besonders hilfreich ist der dortige Chancen-Rechner: Er wertet echte Tauschgesuche aus – im Juli 2026 waren es 403 – und sagt Euch für Eure konkrete Wunschroute, wie realistisch sie ist. Das erspart Euch Monate Suche in eine Richtung, die statistisch kaum funktioniert. Die Auswertung zeigt zum Beispiel, dass München, Köln und Heidelberg die begehrtesten Ziele sind und dort viel Geduld nötig ist, während Homburg, Marburg, Gießen und Jena deutlich leichter zu erreichen sind.

Ein Wort der Vorsicht zu anderen Angeboten: Seriöse Tauschbörsen sind kostenfrei. Sei bei allem skeptisch, was für eine Vermittlung Geld verlangt – warum, steht weiter unten.

Schritt 2: Antrag bei beiden Hochschulen

Steht der Partner fest, stellt jede der beiden Personen bei ihrer eigenen Hochschule einen Antrag auf Studienplatztausch – bei manchen Unis auch gemeinsam auf einem Formular. Typischerweise verlangt werden:

  • das ausgefüllte Antragsformular beider Beteiligten,
  • Immatrikulationsbescheinigungen und Zulassungsbescheide,
  • ein Nachweis über den bisherigen Studienverlauf (Leistungsübersicht, ggf. Nachweis über bestandene Prüfungen),
  • je nach Uni eine Begründung für den Tauschwunsch.

Schritt 3: Prüfung und Zustimmung

Beide Hochschulen prüfen unabhängig voneinander – bei Medizin und Zahnmedizin zusätzlich die Fakultät beziehungsweise das Studiendekanat, ob der Studienstand passt. Erst wenn beide zustimmen, kommt der Tausch zustande. Und hier liegt der Punkt, den viele unterschätzen: Es gibt keinen Anspruch darauf. Die LMU München stellt in ihren Hinweisen klar, dass kein Rechtsanspruch auf Vornahme des Tausches besteht. Eine Ablehnung ist also möglich, auch wenn formal alles stimmt.

Schritt 4: Umschreibung

Nach der Genehmigung werdet Ihr an der bisherigen Hochschule exmatrikuliert und an der neuen immatrikuliert. Beides greift ineinander – plant den Umzug, den Semesterbeitrag und gegebenenfalls eine neue Krankenversicherungsmeldung entsprechend ein.

Fristen: von Uni zu Uni verschieden

Es gibt keine bundesweit einheitliche Frist. Jede Hochschule legt selbst fest, bis wann Tauschanträge eingehen müssen, und die Spannbreite ist erheblich. Zwei Beispiele zur Orientierung:

HochschuleFrist SommersemesterFrist Wintersemester
LMU München15. April15. Oktober
Charité Berlin31. März30. September

Diese Werte zeigen vor allem eins: Ihr müsst beide Fristen im Blick behalten – die Eurer eigenen und die der Wunsch-Universität. Maßgeblich ist in der Praxis die frühere von beiden.

Das für jede Fakultät einzeln zusammenzusuchen, könnt Ihr Euch sparen: Auf studienplatztausch-medizin.de sind Regeln, Fristen, Formulare und Ansprechpartner auf je einer eigenen Uni-Seite aufbereitet – für alle 38 humanmedizinischen Fakultäten, für die 29 Zahnmedizin-Standorte und für die fünf tiermedizinischen Fakultäten in Deutschland. Dazu gehört auch die Information, ob eine Uni den Tausch überhaupt zulässt oder einschränkt – gerade in der Tiermedizin, wo es bundesweit nur eine Handvoll Standorte gibt, unterscheiden sich die Regeln erheblich. Für den Einstieg ist das der schnellste Weg zu einem realistischen Bild. Vor der Antragstellung solltet Ihr die Termine trotzdem noch einmal beim Studierendensekretariat gegenprüfen, denn verbindlich ist immer die Hochschule selbst.

Ringtausch: mehr als zwei Beteiligte

Wenn sich kein direkter Tauschpartner findet, ist manchmal ein Ringtausch möglich: A geht nach B, B nach C, C nach A. Rechnerisch erhöht das die Chancen deutlich, weil deutlich mehr Kombinationen infrage kommen.

Praktisch ist ein Ringtausch aber anspruchsvoller. Alle Beteiligten müssen die Voraussetzungen erfüllen, alle beteiligten Hochschulen müssen zustimmen, und springt eine Person ab, platzt die gesamte Kette. Hinzu kommt: Nicht jede Universität lässt Ringtausche überhaupt zu – die Universität Tübingen etwa beschränkt den Tausch auf zwei Personen. Klärt das also vorab bei allen beteiligten Unis, bevor Ihr eine Kette aufbaut.

Geld ist tabu

Ein Punkt, bei dem es keine Grauzone gibt: Ein Studienplatz darf nicht gekauft oder verkauft werden. Angebote nach dem Muster „Ich gebe meinen Platz ab, wenn Du die Umzugskosten übernimmst” bewegen sich bereits im gefährlichen Bereich, ausdrückliche Zahlungen erst recht.

Die Konsequenzen sind ernst: Wird bekannt, dass für einen Tausch Geld geflossen ist, kann die Zulassung zurückgenommen werden – mit der Exmatrikulation als Folge, und zwar für beide Seiten. Der Tausch selbst ist bei den Hochschulen gebührenfrei. Wenn Dir jemand einen Studienplatz gegen Bezahlung anbietet, lass die Finger davon.

Wenn der Tausch nicht klappt

Ein Studienplatztausch ist eine gute Option, wenn die Konstellation passt – aber er ist nicht planbar. Ihr seid darauf angewiesen, dass genau die passende Gegenrichtung gesucht wird und beide Verwaltungen mitspielen. Wer den Ortswechsel dringend braucht, sollte deshalb parallel prüfen, ob ein regulärer Hochschulwechsel in ein höheres Fachsemester infrage kommt: Dabei bewerbt Ihr Euch auf freie Kapazitäten im gewünschten Semester, ganz ohne Tauschpartner. Frei werdende Plätze in höheren Semestern sind zwar selten, aber sie existieren – und im Gegensatz zum Tausch hängt es nur an Euch.

Und wenn Du noch gar keinen Studienplatz hast, führt der Weg ohnehin über das Bewerbungsverfahren. Wie Du Deine Chancen dort verbesserst, liest Du in unseren Ratgebern zum Ablauf der Medizinbewerbung und zu den Wegen ohne NC. Für die entscheidenden Aufnahmetests bereiten wir Dich mit unserem TMS-Kurs und dem MedAT-Kurs vor.


Stand: Juli 2026. Die verbindlichen Voraussetzungen, Fristen und Formulare für einen Studienplatztausch legt jede Hochschule selbst fest und veröffentlicht sie über ihr Studierendensekretariat. Die hier genannten Beispiele dienen der Orientierung und können sich ändern – maßgeblich sind immer die aktuellen Angaben der beteiligten Universitäten.