Der Weg ins Medizinstudium ist in Deutschland hart umkämpft – und viele deutsche Abiturienten schauen deshalb über die Grenze nach Österreich. Dort entscheidet nicht Deine Abiturnote, sondern ein einziger Aufnahmetest: der MedAT. Doch als deutscher Bewerber bewegst Du Dich in einem System mit eigenen Regeln, allen voran dem österreichischen Quotensystem. Dieser Artikel ordnet Deine Chancen sachlich ein und zeigt Dir, worauf es wirklich ankommt.
Das Wichtigste in Kürze
- In Österreich gibt es keinen NC – über die Zulassung entscheidet allein Dein MedAT-Ergebnis (der Gesamtwert).
- Die Studienplätze in Humanmedizin werden über ein Quotensystem 75-20-5 vergeben: 75 % für Bewerber mit österreichischem Reifezeugnis, 20 % für die EU, 5 % für Drittstaaten.
- Entscheidend ist nicht die Staatsbürgerschaft, sondern wo Du Dein Reifezeugnis erworben hast. Mit deutschem Abitur zählst Du zum EU-Kontingent – rechnerisch kommen damit nur rund 25 % der Plätze für Dich infrage.
- In der Zahnmedizin entfällt die Kontingentzuordnung: Dort zählt allein Dein MedAT-Ergebnis.
- Du kannst Dich pro Jahr nur an einem einzigen Standort bewerben. Die Standortwahl ist eine strategische Entscheidung.
- Der MedAT ist besonders attraktiv für ein Zweitstudium, das in Deutschland nur schwer zu erreichen ist.
Warum Österreich für deutsche Bewerber interessant ist
In Deutschland hängt der Studienplatz stark an der Abiturnote und an Wartezeiten oder dem Auswahlverfahren der Hochschulen. In Österreich ist das anders: Die vier öffentlichen Standorte – die Medizinischen Universitäten Wien, Graz und Innsbruck sowie die JKU Linz – vergeben zusammen rund 1.950 Studienplätze in Human- und Zahnmedizin ausschließlich nach dem Ergebnis im MedAT.
Das bedeutet: Deine Abiturnote spielt für die Zulassung keine Rolle. Wer im Test überzeugt, bekommt einen Platz – unabhängig davon, ob das Abi glatt oder mit Mühe geschafft wurde. Für viele deutsche Bewerber ist das die faire Chance, auf die sie in Deutschland lange warten müssten. Genau darauf zielt eine strukturierte MedAT-Vorbereitung ab: aus einem einzigen Testtag das Maximum herauszuholen.
Das Quotensystem 75-20-5
Die Studienplatzvergabe für Humanmedizin läuft in Österreich über die Kontingentregelung. Die Einteilung in das entsprechende Kontingent wird bereits bei der Testanmeldung vorgenommen. Da Du Dich direkt an einem der vier Standorte anmeldest und die Chancen als Bewerber ohne österreichisches Reifezeugnis geringer sind, solltest Du Dir gut überlegen, wo Du Dein Glück versuchst.
Entscheidend für das Kontingent ist nicht die Staatsbürgerschaft, sondern die Frage, ob das Reifezeugnis (Matura) in Österreich erworben wurde. Während in EU-Ländern eigentlich Chancengleichheit für alle EU-Bewerber gilt, gibt es für Österreich eine Sonderregelung:
- Mindestens 75 % sind Bewerbern mit österreichischem Reifezeugnis vorbehalten.
- 20 % entfallen auf das EU-Kontingent.
- Höchstens 5 % der Studienplätze stehen Bewerbern aus Drittstaaten zur Verfügung – diese Gruppe hat es am schwersten.
Wer gilt als gleichgestellt?
Neben Personen mit österreichischem Reifezeugnis werden die Zeugnisse bestimmter Personengruppen als gleichgestellt behandelt und zählen damit zum Österreich-Kontingent:
- Personen mit Privilegien und Immunitäten: Reifezeugnisse von Personen, die in Österreich oder im Ausland im Auftrag Österreichs aufgrund staatsvertraglicher oder gesetzlicher Regelungen Privilegien und Immunitäten genießen, sowie deren Ehe- bzw. eingetragene Partner und Kinder.
- Akkreditierte Auslandsjournalisten: ausländische Journalisten, die in Österreich akkreditiert und hauptberuflich tätig sind, sowie ihre Partner und Kinder.
- Personen mit langjährigem Wohnsitz in Österreich: wer mindestens fünf zusammenhängende Jahre vor dem ersten Zulassungsantrag seinen Hauptwohnsitz in Österreich hatte – oder dessen gesetzlich unterhaltspflichtige Person diesen Wohnsitz hatte.
- Stipendiaten: Personen, für deren geplantes Studium ein Stipendium nach staatsvertraglichen Bestimmungen oder aus ausdrücklich dafür vorgesehenen öffentlichen Mitteln einer österreichischen Gebietskörperschaft gewährt wird.
- Absolventen österreichischer Auslandsschulen oder Südtiroler Schulen: Reife- bzw. Diplomprüfungszeugnisse österreichischer Auslandsschulen sowie staatliche Abschlussprüfungen deutsch- oder ladinischsprachiger Südtiroler Sekundarschulen zweiten Grades (sofern in Italien nicht ohnehin direkter Hochschulzugang besteht).
- Personen mit Asylstatus: wer nach dem Asylgesetz 2005 oder früheren Bestimmungen zum Aufenthalt in Österreich berechtigt ist.
Ein deutsches Abitur ist in dieser Liste nicht enthalten. Als deutscher Bewerber fällst Du daher in aller Regel in das EU-Kontingent.
Das EU-Kontingent
Beim EU-Kontingent kommt es nicht nur darauf an, ob das Reifezeugnis inner- oder außerhalb der EU erworben wurde, sondern auch auf die Staatsbürgerschaft. Ebenfalls dazu zählen:
- „Begünstigte Drittstaatsangehörige” mit dem Aufenthaltstitel „Daueraufenthalt – EU”, ausgestellt von der zuständigen Behörde eines EU-Mitgliedsstaates.
- Inhaber einer „Daueraufenthaltskarte”, ausgestellt von der zuständigen österreichischen Behörde.
- Türkische Staatsangehörige, wenn sie bei ihren in Österreich lebenden Eltern wohnen und die Eltern in Österreich ordnungsgemäß beschäftigt sind oder waren.
Zum Drittstaaten-Kontingent zählen Personen, die EU-Bürgern nicht gleichgestellt sind und ihr Reifezeugnis nicht in Österreich erworben haben. In dieses Kontingent fällt etwa eine amerikanische Staatsbürgerin mit deutschem Abitur.
Ausnahme Zahnmedizin
Die Zuordnung zur Quote entfällt bei der Bewerbung für das Zahnmedizinstudium. Hier spielen weder Staatsangehörigkeit noch das Land, in dem das Reifezeugnis erworben wurde, eine Rolle – es geht einzig und allein um das Ergebnis des MedAT.
Gewidmete Studienplätze
„Gewidmete Studienplätze” werden in Österreich an Bewerber vergeben, die sich im Gegenzug zu „Aufgaben im öffentlichen Interesse” verpflichten. Anders als bei den Vorabquoten in Deutschland müssen auch diese Bewerber am MedAT teilnehmen und ein Ergebnis erzielen, das über dem von 75 % der angetretenen Bewerber liegt. Insgesamt handelt es sich um 85 gewidmete Studienplätze.
Wie Deine Chancen realistisch aussehen
Im Jahr 2025 haben insgesamt 12.394 Kandidaten am MedAT teilgenommen und sich damit auf einen von rund 1.900 Studienplätzen beworben. Rechnerisch kamen also etwa 6,5 Bewerber auf einen Platz. An der Medizinischen Fakultät der JKU Linz erhielten rund 20,6 % der Teilnehmer einen Studienplatz – dort standen die Chancen damit am besten.
Für einen Bewerber aus Deutschland mit Abitur sieht die tatsächliche Zahl verfügbarer Plätze allerdings anders aus: Neben dem Abzug der gewidmeten Studienplätze musst Du berücksichtigen, dass Du nur für rund 25 % der Plätze in Erwägung gezogen wirst. Unklar bleibt dabei zusätzlich, wie viele Bewerber sich für Zahnmedizin und wie viele für Humanmedizin anmelden.
Hinzu kommt: Österreichische Bewerber waren in der Vergangenheit auch im internationalen Vergleich sehr durchsetzungsfähig. Zahlen aus 2023 belegen, dass deutlich mehr Studienplätze als der vorgesehene Mindestanteil von 75 % an österreichische Bewerber vergeben wurden – in Wien waren es beispielsweise ganze 86 %.
Das ist kein Grund aufzugeben, aber ein Grund für eine ehrliche Erwartungshaltung: Als deutscher Bewerber musst Du im MedAT überdurchschnittlich abschneiden. Genau darauf zielt eine strukturierte Vorbereitung ab.
Was Du als Deutscher beachten musst
Zwei Besonderheiten solltest Du früh auf dem Schirm haben.
Erstens: Du kannst Dich nur an einem Standort bewerben. Anders als beim deutschen Vergabesystem gibt es keine Ranglisten über mehrere Unis hinweg. Du meldest Dich pro Bewerbungsjahr für genau einen der vier Standorte an – Wien, Graz, Innsbruck oder Linz. Meldest Du Dich versehentlich an mehreren an, riskierst Du den Ausschluss.
Zweitens: Die Standortwahl ist strategisch. Weil die Zahl der Plätze und der Bewerber je Standort schwankt, unterscheidet sich der faktische Wettbewerbsdruck. Wien hat die meisten Plätze, zieht aber auch die meisten Bewerber an; kleinere Standorte können je nach Jahr andere Verhältnisse aufweisen. Es lohnt sich, die aktuellen Zahlen zu vergleichen und die Wahl bewusst zu treffen. Einen tieferen Blick auf die einzelnen Standorte und ihre Unterschiede findest Du in unserem Ratgeber.
Wie realistisch sind Deine Chancen?
Ehrlich eingeordnet: Der MedAT ist anspruchsvoll, und die Plätze sind begehrt. Es bewerben sich deutlich mehr Menschen, als es Plätze gibt. Gleichzeitig gilt: Weil allein das Testergebnis zählt und Deine Chance nicht an Wartesemestern oder einer bestimmten Abiturnote hängt, ist der Weg planbar. Der MedAT prüft Wissen und Fähigkeiten, die sich gezielt trainieren lassen – und genau das macht den Unterschied zwischen einem knapp verpassten und einem sicheren Platz oft aus.
Besonders relevant ist das für ein Zweitstudium. Wer in Deutschland bereits studiert hat, hat es dort im Vergabesystem oft schwer. In Österreich zählt diese Vorgeschichte nicht – es geht ausschließlich um Deinen Testtag.
| Quote (Humanmedizin) | Anteil der Plätze | Für wen |
|---|---|---|
| Österreich-Kontingent | mind. 75 % | Bewerber mit österreichischem Reifezeugnis und gleichgestellte Gruppen (siehe oben) |
| EU-Kontingent | 20 % | EU-Bewerber ohne österreichisches Reifezeugnis – hier fallen Deutsche mit deutschem Abitur hinein |
| Drittstaaten-Kontingent | max. 5 % | Bewerber, die EU-Bürgern nicht gleichgestellt sind |
In der Zahnmedizin entfällt diese Kontingentzuordnung – dort zählt allein das MedAT-Ergebnis.
Dein nächster Schritt
Als deutscher Bewerber startest Du in Österreich mit einer echten Chance: kein NC, ein faires Verfahren, und Deine Abiturnote spielt keine Rolle. Gleichzeitig solltest Du realistisch bleiben – im EU-Kontingent konkurrierst Du um rund ein Viertel der Plätze und musst im Test überdurchschnittlich abschneiden. Genau das ist trainierbar: In unserem MedAT-Kurs arbeitest Du gezielt an allen Testbereichen. Wenn Du direkt loslegen möchtest, sicherst Du Dir hier Deinen Kursplatz.
Stand: Juli 2026. Die verbindlichen Angaben zu Quoten, Studienplätzen und Anmeldung veröffentlicht das offizielle Portal medizinstudieren.at. Einzelne Zahlen können sich je Bewerbungsjahr ändern – wir aktualisieren diesen Artikel entsprechend.